Erstes Bürgerforum zur Zukunft der Kreiskliniken
Erstes Bürgerforum zur Zukunft der Kreiskliniken ergibt über 200 Fragen
150 Teilnehmer diskutierten in Schömberg und formulierten Fragen an ein Gutachten – Landrat Helmut Riegger: „Experiment geglückt“
150 Bürger aus verschiedensten Berufsgruppen und Orten des Landkreises Calw trafen sich am vergangenen Freitag und Samstag im Schömberger Kurhaus anlässlich des ersten Bürgerforums zur Zukunft der Krankenhäuser im Kreis Calw. Das Ziel der Veranstaltung war schnell formuliert: Die Teilnehmer sollten Fragen an ein Gutachten zur Zukunft der kreiseigenen Krankenhäuser in Nagold und Calw erarbeiten. Im Mittelpunkt der zwei Tage stand dabei die Frage, wie die Wünsche und Erwartungen der Bürger mit einem wirtschaftlichen Betrieb vereinbart werden können.
Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesem Thema machte Landratsstellvertreter Frank Wiehe gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Das Defizit der Kliniken habe im vergangenen Jahr 6,2 Millionen Euro betragen. 2013 werde der Betrag vermutlich gar an die Acht-Millionen-Grenze steigen. Beträge in dieser Höhe könne der Kreis nur über eine höhere Umlage aus seinen Städten und Gemeinden finanzieren, denen wiederum diese Mittel für eigene Investitionen fehlen. Grund genug für den Kreistag, sich intensive Gedanken um die Zukunft der Kliniken zu machen.
Dabei soll die Meinung der Einwohner des Landkreises nicht außen vor bleiben. Deshalb hatte das Gremium im März einen umfassenden Bürgerbeteiligungsprozess beschlossen. Im Zentrum dieses Prozesses stehen zwei Bürgerforen, eines zur Vorbereitung des Gutachtens und eines zu dessen Bewertung.
Der Startschuss zum ersten Forum fiel am Freitagnachmittag. Zunächst galt es bei dem komplexen Thema alle Teilnehmer auf einen Kenntnisstand zu bringen. So informierten Wiehe, Ministerialrat Markus Schmidt vom Sozialministerium und Elke Frank, Geschäftsführerin des Klinikverbundes Südwest, über die aktuelle Situation der Krankenhäuser und die Rahmenbedingungen im Krankenhauswesen.
Danach starteten alle Teilnehmer in die Arbeitsphase, die aus einem Wechsel von moderierter Gruppenarbeit und Plenumssitzungen bestand. Nach einer anfänglichen Sammlung von Themen sortierten sich die Arbeitsgruppen am Samstagmorgen thematisch. Jede der insgesamt acht Arbeitsgruppen beschäftigte sich im Anschluss mit einem anderen Aspekt der Krankenhäuser. Die Finanzen durften dabei ebenso wenig fehlen, wie die Qualität der Pflege und die Attraktivität der Kliniken. Außerdem wurde über die Spezialisierung der Kliniken, die Erreichbarkeit sowie über Kooperationsmöglichkeiten und die Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten diskutiert.
Experten aus Krankenhäusern, Krankenkassen, Politik, Gesundheitswesen, Ärzteschaft und Verwaltung waren ebenfalls anwesend und beantworteten bereitwillig jede Frage, die sich im Zuge der Diskussionen über die Zukunft der Krankenhäuser ergab. Auch Landrat Helmut Riegger ließ es sich nicht nehmen mit seinem Fachwissen die Diskussion in der einen oder anderen Gruppe zu bereichern. „Ich bin begeistert von der engagierten Mitarbeit und der sachlichen Diskussion, die ich in den Arbeitsgruppen erfahren habe. Beeindruckt haben mich vor allem der Sachverstand und die Kreativität, mit denen viele Teilnehmer an dieses komplexe Thema gegangen sind.“
Am Ende des Tages trafen sich alle Teilnehmer mit geladenen Gästen und zahlreichen Kreisräten, um im Kursaal die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu präsentieren. 226 Fragen standen am Ende auf acht Stellwänden. Mit solch einer großen Zahl hatte wohl keiner der Organisatoren gerechnet. Entsprechend positiv fiel auch das Fazit aus: Von einem „offenen Umgang mit allen Fragen“ und „einem runden Ergebnis“ war unter den Teilnehmern die Rede.
Riegger brachte es bei seinem Schlusswort auf den Punkt: „Das Experiment Bürgerforum ist geglückt.“ Auch Landratsvize Wiehe war mit dem Ergebnis sichtlich zufrieden.
Wiehe skizzierte zum Abschluss noch die weiteren Schritte. Nachdem alle Fragen an das Gutachten gesammelt und niedergeschrieben sind, werden drei Gutachter zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Der Kreistag soll in einer Sitzung am 10. Juni den Auftrag zur Erstellung des Gutachtens vergeben. Im Herbst solle dieses vorliegen, so Wiehe, dann werde das zweite Bürgerforum zur Bewertung des Gutachtens stattfinden. „Sie sind selbstverständlich wieder alle herzlich eingeladen, sich einzubringen“ lud er die Teilnehmer zum Abschluss des ersten Forums ein.
